Für manche klingt Französisch wie ein weiches, langgezogenes Wort, und den allermeisten Menschen auch ziemlich angenehm im Ohr. Den Klang der Sprache als schön oder gar sexy zu beschreiben, ist fast zum Klischee geworden. Was die französische Sprache so wohlklingend macht, liegt insbesondere am häufigen Verschmelzen von Vokalen mit darauf folgenden Konsonanten.
Ein genauer und eher nüchterner Blick auf die Aussprache zeigt: Im Französischen fallen, im Gegensatz zum Deutschen, immer wieder die Unterschiede zwischen der gesprochene und der geschriebenen Sprache auf. Sämtliche stumme Vokale oder nicht gesprochene Konsonanten sind im Schriftlichen noch gegenwärtig. Das hat sprachgeschichtliche Gründe.
Die meisten Endkonsonanten werden in der Regel nicht gesprochen, genauso wenig wie das Plural-s.
Dazu gibt es viele Beispiele. Hier sind zunächst drei Gruppen von Vokabeln die zeigen, wie Worte gleich ausgesprochen, jedoch unterschiedlich geschrieben werden:
Aussprache: [voi]
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je vois |
elle voit |
ils voient |
voie |
voies |
voix |
voix |
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Ich sehe |
sie sieht |
sie sehen |
Gleis |
Gleise |
Stimme |
Stimmen |
Aussprache: [ver]
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vert |
vers |
ver |
verre |
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grün |
in Richtung auf |
Wurm |
Glas |
Aussprache: [so]
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seau |
saut |
sceau |
sot |
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Eimer |
Sprung |
Siegel |
dumm |
Tatsache ist, dass die französische Wortstruktur relativ wenige Varianten zulässt, denn in den meist nur ein- bis zweisilbigen Wörtern werden nur selten mehrere Konsonanten hintereinander verwendet.
Die Betonung liegt in der Regel auf der letzten Silbe.
Im Französischen gibt es sogenannten Nasallaute, die im Deutschen nicht existieren.
Es handelt sich dabei um Laute, bei deren Bildung die Nasenhöhlen und der Nasenrachenraum stark beteiligt sind.
Im Deutschen kommt die Variante -ng, die auf einen Vokal folgt, einem Nasallaut am nächsten:
Spange, Inge, lang, Länge, Enge
Lässt man nun das g bei den o.g.Beispielen weg, so erhält man den französischen Nasallaut.
Gängige Nasale im Französischen sind an, en in und on. Am besten, man hört sie sich immer wieder an, denn es gibt, wie gesagt, keine Entsprechung für sie im Deutschen.
la France (Frankreich) le singe (der Affe) un (eins)
la langue (die Sprache) le jardin (der Garten) le bonbon (das Bonbon)
l'an (das Jahr) le matin (der Morgen) en (in)
le croissant (das Croissant) la main (die Hand) le temps (die Zeit)
Natürlich gibt es Ausnahmen, wie immer im Französischen, hier sollen die angeführten Beispiele aber erst einmal genügen.
Wie im Kapitel Alphabet zu lesen ist, bestimmen die Akzente (les accents) zum größten Teil die Aussprache insbesondere des Vokals e:
Der accent aigu ´ kommt auf das geschlossene e: café, été.
Er wird auf dem geschlossenen e nicht verwendet, wenn ein r oder z folgt: chanter, le nez.
Der accent grave ` sitzt auf dem offenen e: mère, progrès.
Er wird nicht benutzt bei Worten wie terre, mer.
Der accent grave findet sich auch auf dem à (Präposition), auf dem u in où (Adverb) und auf dem a in déjà, voilà und anderen.
Der accent circonflex (^) ist u.a. ein Überbleibsel der altfranzösischen Sprachgeschichte und ersetzt einen Buchstaben, wie dies Beispiel gut zeigt: fenêtre (von fenestra, der accent ersetzt hier das s). Er sitzt auf den langen Vokalen: pâte, fête, Nîmes, côte, flûte usw.
Das cédille (das sog. 'Häkchen') befindet sich unten am c vor a, o, u, um ihm den Klang eins s zu geben: façade, leçon, reçu usw.
Das tréma („Trennpunkt“) besteht aus zwei Punkten, die man auf den Vokalen e, i, und u findet. Es kennzeichnet die getrennte Aussprache aufeinanderfolgender Vokale:
Noël, maïs, egoïste, reünie.
Die Bindungen, les liaisons, sind wichtig für die französischen Aussprache.
Die wichtigsten (und obligatorischen) Bindungen sind die zwischen zwei Wörtern, von denen das eine auf einen Konsonanten endet und das zweite mit einem Vokal beginnt:
Les oncles (die Onkel)
Les arbres (die Bäume)
Mes amies (meine Freundinnen)
Aux enemis (den Feinden)
Ces aimables enfants (diese liebenswerten Kinder)
Das Plural-s wird hier also jeweils ausgesprochen, was sonst nicht erlaubt ist!
Treffen zwei Vokale aufeinander bzw. zwei Worte, von denen das eine mit einem Vokal endet, das andere mit einem Vokal beginnt, so ist ein Apostroph notwendig:
L'arbre (der Baum)
L'augure (die Wahrsagerin)
L'hôtel (das Hotel)
L'hiver (der Winter)
L'heure (die Stunde)
Ganz falsch: le arbre, le hôtel usw.
Bei französischen Worten, die mit einem h beginnen, gibt es allerdings Unterschiede.
Worte mit einem aspirierten h (h aspiré) werden nicht gebunden, das h bleibt jedoch auch stumm:
Le héros (der Held, aber Achtung: l'héroïne: die Heldin)
Le haricot (die Bohne)
Le hasard (der Zufall)
Weitere Bindungen sind nötig oder möglich bei Worten, die u.a. mit den Konsonanten c, d, f, g, n, p, q, t oder x enden.
Noch ein Wort zu den Buchstaben g und c:
Ein g vor den Vokalen a, o und u wird wie das deutsche 'g' z. B. in 'Geld' ausgesprochen:
garage (Garage)
garder (behalten)
gomme (Radiergummi)
gonfler (aufpumpen)
guichet (Schalter)
guérir (heilen, gesund werden)
Ein g vor den Vokalen e und i wird wie 'sch' im Deutschen, aber stimmhaft, ausgesprochen:
genou (Knie)
geler (gefrieren)
gifle (Ohrfeige)
gigoter (zappeln)
Der Buchstabe c ohne cédille hat zwei verschiedene Aussprachen:
cirque (Zirkus) ein stimmloses 's' wie in Sonne
café (Café) wie ein deutsche 'k'







